Besetzte Fabrik in Griechenland beginnt mit der Produktion unter Arbeiterkontrolle. Besetzen, Widerstand leisten, Produzieren!

"Wir denken, dass das die Zukunft der Arbeiterkämpfe ist."
Μakis Anagnostou, Vertreter der Betriebsgewerkschaft von Vio.Me.
 
Dienstag, der 12. Februar wird der erste offizielle Tag  der Produktion unter Arbeiterkontrolle von Vio.Me in Thessaloniki, Griechenland sein. Das heißt, eine hierarchisch organisierte, von Bossen diktierte Produktion wird durch eine von der Arbeitervollversammlung in direkter Demokratie geplante Produktion ersetzt. Die Arbeiter haben der ungleichen Verteilung der Ressourcen ein Ende erklärt, auf der Basis kollektiver Entscheidungen wollen sie für eine gleiche und faire Bezahlung sorgen. Als baustoffproduzierende Fabrik planen die Arbeiter außerdem, die Ausrichtung des Unternehmens zu ändern hin zu einer Produktion umweltverträglicher Produkte.

«Bei einer auf fast 30% gestiegenen Arbeitslosigkeit , sinkenden Löhnen, abgespeist mit leeren Worten, Versprechungen und Steuererhöhungen, nicht entlohnt seit Mai 2011, einem Produktionsstillstand in einer von den Eigentümern verlassenen Fabrik, haben die Arbeiter von Vio.Me in ihrer gewerkschaftlichen Vollversammlung beschlossen, sich nicht mit einer langfristigen Arbeitslosigkeit abzufinden, sondern darum  zu kämpfen, die Fabrik zu übernehmen und selbst zu betreiben. Es ist nun an der Zeit für Arbeiterkontrolle bei Vio.Me!»

(Proklamation der Offenen Solidaritätsinitiative und der Arbeiter Vio.Me. Der gesamte Text unter www.viome.org)

Die Arbeiter von Vio.Me wurden seit Mai 2011 nicht mehr entlohnt, im Anschluss daran verließen die Eigentümer und Manager die Fabrik. Nach einer Reihe von Vollversammlungen entschlossen sich die Arbeiter, die Fabrik gemeinsam wieder in Betrieb zu nehmen. Seitdem haben sie die Fabrik und die für die Produktion benötigten Maschinen besetzt und geschützt. Sie haben sich außerdem mit anderen Arbeitenden und Kollektiven aus ganz Griechenland vernetzt und dadurch grosse Unterstützung erhalten. Dank der Solidarität und der Unterstützung all dieser Menschen, Individuen wie auch Gruppen, können die Arbeiter ihr Überleben und das ihrer Familien sichern.

Das Phänomen der Besetzung, der Wiederinstandsetzung und der Kontrolle von Unternehmen durch ArbeiterInnen ist nichts Neues - weder historisch noch gegenwärtig. Seit 2001 gibt es ungefähr 300 Betriebe in Argentinien, die demokratisch von ArbeiterInnen verwaltet werden;  Gesundheitzentren, Zeitungen und Schulen, aber auch Metallfabriken, Druckereien und Hotels. Entwicklungen dort haben gezeigt, dass Arbeiter nicht nur in der Lage sind Unternehmen ohne Chefs zu verwalten, sondern dies auch besser können. Das Beispiel Argentiniens breitet sich in Südamerika aus und hat nun auch Europa und die Vereinigten Staaten erreicht. In Chicago haben die ArbeiterInnen von New World Windows, nach jahrelangen Kämpfen mit (ehemaligen) Eigentümern und Chefs, die Produktion in Selbstverwaltung aufgenommen. In Griechenland zeigen Arbeiter nun wieder, dass der Weg vorwärts - aus der Arbeitslosigkeit, der Krise trotzend - Arbeiterkontrolle und demokratische Selbstverwaltung ist.

„Wir fordern alle ArbeiterInnen, alle Arbeitslosen und all diejenigen, die am eigenen Leib die Krise erfahren haben, dazu auf, die Arbeiter von VioMe zu unterstützen. Jetzt, da sie daran gehen, in der Praxis zu beweisen, dass wir, die ArbeiterInnen, es auch ohne Bosse schaffen! Wir fordern sie auf, am Kampf teilzunehmen und den Kampf zu organisieren, wo immer sie arbeiten, mit Versammlungen, direkter Demokratie - ohne Bürokraten!" (www.biom-metal.blogspot.gr)

Wie bei allen Fabrikwiedereröffnungen, so ist auch hier die Frage der anfänglichen Finanzierung von zentraler Bedeutung. War die bisherige Solidarität in der Lage, das Überleben der Arbeiter von Vio.Me und ihrer Familien zu sichern, so ist das Kapital, das zur Fortsetzung der Produktion notwendig ist, riesig. Die Arbeitergewerkschaft hat einen tragfähigen Geschäftsplan, aber es wird einige Zeit erfordern, bis er greifen wird. Die ersten Monate werden ausschlaggebend sein. Finanzelle Unterstützung kann dabei viel ausmachen und jeder Beitrag ist hilfreich.
Direkte finanzielle Unterstützung kann an die Arbeitergewerkschaft von Vio.Me in Thessaloniki über die Internationale Solidaritätswebseite geschickt werden: www.viome.org
Solidaritätserklärungen und Fragen an: protbiometal@gmail.com

Unterzeichnet:  Solidaritätsinitiative Thessaloniki, Brendan Martin (Working World), Dario Azzellini and Marina Sitrin

Vorläufige UnterstützerInnen der Initiative: David Harvey, Naomi Klein, Avi Lewis, John Holloway, Silvia Federici, George Caffentzis, David Graeber, Mag Wompel (labournet.de) and The Cooperativa de Trabajo lavaca, Buenos Aires, Argentina

 

Dossier - Selbstverwaltung bei Viomihaniki Metalleutiki

Vio-me ist eine Fabrik in Thessaloniki,die Baustoffe herstellte und im Mai 2011 von ihren Besitzern verlassen wurde. Die Arbeiter, seit über einem Jahr unentlohnt, haben sie in der Folge besetzt. Nachdem Interventionen bei den Ministerien erfolglos geblieben sind, haben sie beschlossen, die Fabrik in Selbstverwaltung unter Arbeiter-kontrolle weiterzuführen. Nächste Woche ist es soweit, sie werden mit der Wieder-aufnahme der Produktion beginnen. Die folgenden Dokumente sind ein Interview mit Makis Anagnostou,Vorsitzender der Betriebsgewerkschaft, über die Aktivitäten und wieso sie trotz fehlender Legalität mit der Produktion beginnen, weiter eine Übersetzung eines Posters der sehr aktiven UnterstützerInnengruppe, sowie die Erklärung der Betriebsgewerkschaft, in welcher Form die Selbstverwaltung unter Arbeiterkontrolle erfolgen soll. Vom 22.-24. 2. wird Makis zum Kongress für solidarische Ökonomie nach Wien kommen. Siehe aktuell Informationen zum Produktionsstart am 12.2.2013 und internationalen Solidaritätsbrief sowie weitere Unterstützung.

Weitere wichtige Erläuterungen in den als .pdf verfügbaren Dokumenten