Die Frage der Autogestion

Aus dem umfangreichen Oeuvre Henri Lefebvres (1901-1991) werden vor allem seine Arbeiten zum Raum rezipiert. Seine Kritik an allen Formen von Herrschaft, die sich wie ein roter Faden durch seine Texte zieht, findet hingegen weniger Beachtung. Dabei hat der französische Philosoph den größten Teil seines politischen Lebens an zwei Fronten gekämpft: Kritik des kapitalistischen Gesellschaftssystems und Kritik des dogmatisch-orthodoxen Marxismus. In vielen Punkten überschreitet er die Programmatik des "offiziellen" Marxismus, der vor allem auf die Eroberung des Staatsapparates und die zentralisierte Planung der Produktion durch die organisierte Arbeitermacht setzt. Lefebvre erklärt hingegen den Alltag zur entscheidenden Kategorie für den Zusammenhang von Ökonomie und Lebenspraxis der Individuen.

Eine Veränderung des alltäglichen Lebens müsse durch den Eingriff aller Betroffenen geschehen und nicht nach den Normen der Repräsentativ-Demokratie. "Auf dieser Ebene hat die Assoziation der Interessen und der Interessierten ihren Namen. Sie heißt Selbstverwaltung." (Lefebvre zit. nach Vranicki 1974: 902) Die Idee der autogestion (der franz. Begriff deckt sich weder ganz mit "Selbstverwaltung" noch mit "Partizipation") erscheint ihm als Mittel und Zweck, mit dem das "Absterben des Staates" vorangetrieben werden kann.

 

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