Selbstorganisation

Cobas ist eine Abkürzung für »comitati di base« – Basiskomitees. Zur Entstehungsgeschichte der Cobas gehören u.a. der spontane Aufstand der Fabrikarbeiter in den sechziger Jahren und die Aufstände der Dienstleistungsbeschäftigten, Zeitarbeiter und Arbeitslosen in den siebziger und achtziger Jahre ebenso wie der massenhafte Protest der Basis gegen die neokorporativen offiziellen Gewerkschaften in den frühen neunziger Jahren, der in die Gründung der ersten Cobas mündete. Der Cobas-Bund wurde im März 1999 durch den Zusammenschluss von »Cobas Schule« und der »Nationalen Cobas-Koordination « geschaffen, in der bereits ArbeiterInnen aus den Sektoren Gesundheit, öffentlicher Dienst, Telekommunikation und Energie vertreten waren.
Unter den Mitte-Links-Regierungen hatte eine Gewerkschaftspolitik, die sich darauf kon- zentrierte, mit dem Neoliberalismus zu kollaborieren, einen Höhepunkt erreicht. Die Ent- scheidung, in scharfer Abgrenzung zu den großen offiziellen Gewerkschaften eine selbstorga- nisierte und unabhängige Gewerkschaft zu gründen, wurzelte vor allem in der Ablehnung dieser Politik: Die Rolle der ›Staatsgewerkschaften‹ in der Mitbestimmung über Jobflexibilisierung und Lohnbegrenzung war für unseren Schritt zentral. Im Ausland wird unser Modell oft als italienischer Sonderweg betrachtet, obwohl es etwa in Frankreich einiges Echo findet. Unsere Vorstellung von gewerkschaftlichem und politischem Kampf ist mit derjenigen der offiziellen Gewerkschaften nicht vereinbar. Letztere haben den gesellschaftlichen Konflikt durch Sozialpartnerschaft ersetzt und werden dafür vom Staat mit Geldern für diverse Dienst- leistungen an den Mitgliedern belohnt (z.B. Hilfe bei der Steuererklärung, Rentenfonds, berufliche Weiterbildung), welche wiederum vor allem dazu dienen, eine ständig wachsende Armee von Funktionären und Bürokraten zu finanzieren. [...]

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